Die
Hexe von Stadion
Bethe, ein
strammes Weibsbild, konnte hexen. Einst trieb sie ihr Zauberwesen vor allem auf
dem
Weg der von Oggelsbeuren gen Stadion führt.
Besonderen
Gefallen hatte sie wohl an den Jägern gefunden, die sie auf ganz besondere Weise
narrte. Zur Jagdzeit nämlich verwandelte sich Bethe nur zu gerne in einen Hasen.
Dergestalt
hoppelte sie durch das Unterholz und benahm sich wie ein junges, unerfahrenes Tier.
Die Jägerschaft glaubte leichtes Spiel zu haben und legte an
– doch als sie gerade abziehen
wollten schlug der vermaledeite Hase ein paar
Haken und der Schuss ging ins Leere.
So sehr sich die
Jäger auch abmühten, sie konnten das Hexentier nicht erlegen.
Schnell sprach
sich das Jagdpech herum und die Meisterschützen mussten sich in Stadion
viele
spöttische Reden anhören – denn während sie hinter dem verflixten Hasen her
waren,
entwischte ihnen auch das übrige Wild und sie kehrten wieder ohne Beute
und mit leeren
Taschen nach Hause zurück. Eines
Tages aber hatte ein junger Jäger Glück.
Er stand günstig, zielte bedächtig und
brannte dem Hexentier eine grobe Ladung aufs Fell
– er suchte später aber
vergebens nach dem vermeintlich erlegten Tier, es war verschwunden.
Bethe von
Stadion lag von diesem tage an lange Zeit mit verbundenen Füssen im Bett
– noch
heute erscheint sie zur Fasnetzeit, jedoch nicht mehr als Hase.
Davon hatte sie
genug, sonder im Hexengestalt um wie vor Zeiten die Leute zu narren.